Atemanker für den Kreißsaal

Praktische Atemübungen, die dir in intensiven Momenten Halt geben

Atmen passiert automatisch – und doch verändert sich die Atmung unter Stress sofort.
Gerade im Kreißsaal, wenn Intensität, Unsicherheit oder Schmerz zunehmen, wird der Atem flach, schnell oder unregelmäßig. Das ist keine Schwäche, sondern eine biologische Stressreaktion.

Genau hier setzen Atemanker an: einfache, bewusst eingesetzte Atemmuster, die helfen, das Nervensystem zu stabilisieren, den Fokus zu halten und handlungsfähig zu bleiben.

Dieser Beitrag erklärt, warum Atemarbeit unter der Geburt wirkt, was wissenschaftlich belegt ist – und welche konkreten Atemübungen dir in intensiven Momenten Halt geben können.

Warum Atmung unter der Geburt so wirksam ist

Atmung ist eine der wenigen Körperfunktionen, die sowohl automatisch als auch bewusst steuerbar sind.
Damit bildet sie eine direkte Brücke zwischen Körper und Psyche.

Studien aus der Stress- und Schmerzforschung zeigen:
Bewusste Atemführung kann

  • das autonome Nervensystem regulieren

  • Stressreaktionen dämpfen

  • die subjektive Schmerzwahrnehmung beeinflussen

  • das Gefühl von Kontrolle und Selbstwirksamkeit stärken

Die World Health Organization empfiehlt nicht-medikamentöse Methoden wie Atemtechniken ausdrücklich als Teil einer respektvollen, interventionsarmen Geburtsbegleitung.

Quelle: https://www.who.int/publications/i/item/WHO-RHR-18.08

Wichtig dabei: Atemarbeit ersetzt keine medizinische Versorgung – aber sie unterstützt physiologische Prozesse, statt ihnen entgegenzuwirken.

Atemanker statt „richtig atmen“

Ein häufiger Irrtum in der Geburtsvorbereitung: Es gäbe die eine richtige Atemtechnik.

Die Forschung zeigt jedoch: Nicht die Perfektion einer Technik ist entscheidend, sondern ihre Verlässlichkeit unter Stress.

Ein Atemanker ist deshalb:

  • einfach

  • wiederholbar

  • vertraut

  • auch unter hoher Belastung abrufbar

Er dient nicht dazu, Schmerz „wegzuatmen“, sondern um innerlich Halt zu finden, wenn es intensiv wird.

Drei bewährte Atemanker für den Kreißsaal

1. Verlängerte Ausatmung – für akute Stressmomente

Wann hilfreich: Bei plötzlicher Anspannung, Angst oder Überforderung.

So funktioniert sie:

  • ruhig durch die Nase einatmen (z. B. 4 Sekunden)

  • langsam und hörbar durch den Mund ausatmen (z. B. 6–8 Sekunden)

Warum sie wirkt: Eine verlängerte Ausatmung aktiviert den Parasympathikus – den Teil des Nervensystems, der für Beruhigung und Regulation zuständig ist.

Studien aus der Psychophysiologie zeigen, dass dieses Atemmuster Herzfrequenz und Stresshormone messbar senken kann.

2. Rhythmische Wellenatmung – für Wehenphasen

Wann hilfreich: Während einer Wehe, um im Rhythmus zu bleiben.

So funktioniert sie:

  • gleichmäßiges Ein- und Ausatmen

  • Fokus auf den Fluss, nicht auf Tiefe

  • inneres Bild: eine Welle, die kommt und wieder geht

Warum sie wirkt: Der Atem gibt Struktur, während der Körper arbeitet. Das Gehirn erhält ein Signal von Vorhersehbarkeit – ein wichtiger Faktor für Stressreduktion.

Die Cochrane Collaboration beschreibt in mehreren Übersichten, dass rhythmische Atemtechniken das Geburtserleben positiv beeinflussen können, auch wenn sie Schmerz nicht vollständig eliminieren.

Quelle: https://www.cochranelibrary.com/

3. Der stille Atemanker – für Rückzug und Fokus

Wann hilfreich: In sehr intensiven Phasen, wenn Worte oder Anleitung zu viel werden.

So funktioniert er:

  • minimaler, ruhiger Atem

  • Fokus nur auf einen inneren Punkt (z. B. Bauch, Brust, ein Wort oder Bild)

  • kein Zählen, kein Korrigieren

Warum er wirkt: Diese Form ähnelt meditativen Zuständen und kann helfen, Reize auszublenden und im eigenen Erleben zu bleiben.

Studien aus der Achtsamkeits- und Hypnoseforschung zeigen, dass reduzierte Aufmerksamkeit auf äußere Reize die subjektive Belastung senken kann.

Warum Atemarbeit Übung braucht – und keine Perfektion

Atemanker funktionieren nicht, wenn man sie erst im Kreißsaal „lernen“ will. Sie wirken, weil sie vertraut sind. Genau deshalb setzen wir bei MyDoula nicht auf möglichst viele Techniken, sondern auf wenige, gut integrierte Elemente.

Die MyDoula-Methode verbindet:

  • Atemarbeit

  • mentale Vorbereitung

  • Wissen über Stressreaktionen

  • realistische Geburtsbilder

Nicht, um Kontrolle zu erzwingen – sondern um innere Stabilität aufzubauen.

Atemanker als Teil eines größeren Ganzen

Atmung ist kein isoliertes Tool. Sie wirkt am besten, wenn sie eingebettet ist in:

  • Verständnis für den Geburtsprozess

  • Vertrauen in den eigenen Körper

  • mentale Vorbereitung auf Intensität und Ungewissheit

Deshalb haben wir unsere Webinare und den darauf aufbauenden Kurs so gestaltet, dass Atemarbeit nicht technisiert, sondern sinnvoll eingeordnet wird. Atemanker sind dabei kein Ziel – sondern ein Anker, der trägt, wenn es darauf ankommt.

Fazit: Dein Atem ist kein Werkzeug – sondern ein Verbündeter

Atemübungen machen die Geburt nicht „leicht“. Aber sie können helfen, bei dir zu bleiben, wenn es fordernd wird.

Mentale Stärke zeigt sich nicht darin, alles im Griff zu haben – sondern darin, sich regulieren zu können, wenn Kontrolle nicht möglich ist.

Genau das üben wir bei MyDoula.

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