Was ist EINE VBAC?

Warum die Geburt nach Kaiserschnitt oft missverstanden wird – und was wirklich wichtig ist

VBAC steht für Vaginal Birth After Cesarean – also eine vaginale Geburt nach einem früheren Kaiserschnitt. Was nüchtern klingt, ist in der Praxis häufig emotional aufgeladen: zwischen Hoffnung, Angst, medizinischen Bedenken und widersprüchlichen Informationen.

Viele Frauen erleben rund um das Thema VBAC Verunsicherung – nicht selten verstärkt durch pauschale Aussagen, fehlende Aufklärung oder institutionelle Routinen. Dabei zeigt die Studienlage ein differenziertes Bild.

Dieser Beitrag erklärt, was VBAC wirklich bedeutet, warum es oft missverstanden wird – und worauf es bei einer informierten, sicheren Entscheidung ankommt.

VBAC – eine medizinisch anerkannte Option

Eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt ist keine Ausnahme und auch kein experimenteller Sonderweg. Internationale Leitlinien erkennen VBAC als reguläre Option an – unter bestimmten Voraussetzungen.

Die World Health Organization betont ausdrücklich, dass Frauen nach einem Kaiserschnitt eine echte Wahlmöglichkeit haben sollen – inklusive fundierter Information über Nutzen und Risiken beider Optionen (VBAC und erneuter Kaiserschnitt).

Quelle: https://www.who.int/publications/i/item/WHO-RHR-18.08

Auch das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) empfiehlt, Frauen nach Kaiserschnitt aktiv über die Möglichkeit einer vaginalen Geburt zu informieren und sie in ihrer Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Quelle: https://www.nice.org.uk/guidance/ng192

Warum VBAC so oft missverstanden wird

1. Fokus auf Risiken – ohne Kontext

Häufig wird vor allem ein Risiko genannt: die Uterusruptur. Ja, sie ist eine ernstzunehmende Komplikation – aber:

  • Das absolute Risiko liegt laut Metaanalysen bei ca. 0,5–0,7 %

  • In gut begleiteten Settings mit klaren Kriterien ist VBAC überwiegend sicher

Die Cochrane Collaboration kommt zu dem Schluss, dass für viele Frauen die Vorteile einer vaginalen Geburt die Risiken überwiegen können – insbesondere im Vergleich zu wiederholten Kaiserschnitten.

Quelle: https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD003012.pub4/full

Risiken müssen benannt werden – aber sie müssen eingeordnet werden, nicht dramatisiert.

2. Institutionelle Routinen statt individueller Betrachtung

In der Praxis hängt die Möglichkeit einer VBAC stark davon ab:

  • in welchem Krankenhaus eine Frau entbindet

  • welche internen Leitlinien gelten

  • wie erfahren das Team mit VBAC-Begleitungen ist

Nicht jede Ablehnung einer VBAC basiert auf medizinischen Gründen – oft spielen Haftungsfragen, Personalkapazitäten oder fehlende Routine eine Rolle.

Das führt dazu, dass Frauen mit identischen Voraussetzungen sehr unterschiedliche Aussagen erhalten.

3. Psychologische Dimensionen werden unterschätzt

Ein vorausgegangener Kaiserschnitt ist nicht nur ein operativer Eingriff – sondern oft auch ein emotional prägendes Erlebnis.
Viele Frauen tragen offene Fragen, Enttäuschung oder Kontrollverlust-Erfahrungen mit sich.

Diese Aspekte fließen in medizinischen Gesprächen häufig zu wenig ein – dabei sind sie entscheidend für:

  • Vertrauen in den eigenen Körper

  • Entscheidungsfähigkeit

  • das Geburtserleben insgesamt

VBAC ist daher nicht nur eine medizinische, sondern immer auch eine mentale und emotionale Frage.

Wann ist eine VBAC grundsätzlich möglich?

Ob eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt infrage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab, u. a.:

  • Art des vorherigen Kaiserschnitts (meist unkompliziert bei niedrigem Querschnitt)

  • Abstand zur letzten Geburt

  • Gründe für den ersten Kaiserschnitt

  • aktueller Schwangerschaftsverlauf

  • individuelle gesundheitliche Faktoren

Wichtig: Es gibt keine pauschale Antwort. Gute Aufklärung bedeutet, diese Punkte gemeinsam und transparent zu betrachten.

Warum wir bei MyDoula anders auf VBAC schauen

Viele Frauen kommen mit einer zentralen Frage zu uns: „Darf ich mir eine andere Geburt wünschen – auch nach einem Kaiserschnitt?“

Unsere Antwort ist klar: Ja. Und du darfst dich gut informiert vorbereiten.

Deshalb haben wir die MyDoula-Methode so aufgebaut, dass sie Frauen auch nach Kaiserschnitt stärkt – unabhängig davon, wie die nächste Geburt am Ende verläuft.

Wir verbinden:

  • evidenzbasierte medizinische Informationen

  • mentale Vorbereitung auf Entscheidungsprozesse

  • Arbeit mit Angst, Ambivalenz und Erwartungsdruck

  • realistische Szenarien statt Idealbilder

Nicht mit dem Ziel, eine bestimmte Geburt „durchzusetzen“, sondern um innere Klarheit, Selbstwirksamkeit und Vertrauen zu fördern.

VBAC-Vorbereitung heißt nicht: sich festzulegen

Ein wichtiger Punkt wird oft übersehen: Sich mit VBAC zu beschäftigen bedeutet nicht, sich gegen einen Kaiserschnitt zu entscheiden.

Es bedeutet:

  • informierte Optionen zu kennen

  • den eigenen Körper besser zu verstehen

  • Entscheidungen nicht aus Angst, sondern aus Wissen heraus zu treffen

Genau das greifen wir in unseren MyDoula-Webinaren auf. Der darauf aufbauende Kurs hilft dabei, die eigene Haltung zu klären und mentale Stärke für unterschiedliche Geburtsverläufe zu entwickeln.

Fazit: VBAC braucht Aufklärung statt Mythen

VBAC ist weder „gefährlicher Leichtsinn“ noch eine Garantie für die „heilende Geburt“. Sie ist eine anerkannte, legitime Option, die eine differenzierte Betrachtung verdient.

Gute Geburtsvorbereitung bedeutet:

  • Risiken realistisch einzuordnen

  • medizinische Fakten verständlich zu machen

  • mentale und emotionale Aspekte ernst zu nehmen

Genau dafür steht MyDoula.

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